Es ist Mittwoch der
26. September 2007, 06:00 Uhr Ortszeit in einer kleinen Auberge circa 20 Km nördlich von
Grenoble. Für mich ist die Nacht zu Ende. Eine innere Unruhe macht
sich breit – was wird mich am ersten Tag – „Segelfliegen als
Flugschüler in der Houte Provence” erwarten. Schnell noch eine
Ladung warmes Wasser aus der Minidusche, und rein in die Klamotten.
Unten im Speiseraum erwartet mich ein landestypisches Frühstück,
bestehend aus 40 cm Brot am Stück und als Belag stehen mir frischer
Käse und rote Marmelade zur Auswahl, dazu ein Cafe Oje, farblich
eher ein Kamillentee, aber sehr heiß.06:55 Uhr draußen angekommen
empfängt mich
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| Passhöhe 1179 Meter |
La Motte - noch 14 Km |
Foto der WEBCAM |
ein tiefblauer Himmel mit +9° Celsius. Also bleibt das
Cabrio geschlossen. Mein Command-System meldet:„Verbleibende Strecke
183 Km / Ankunft 09:22 Uhr”. Wenn das mal alles so stimmt, grübele
ich so vor mich hin. Anfänglich geht es noch recht zügig auf der
Nationalstraße 75 nach Süden voran. Ab Monestier de Cermont ist
fahrtechnisch Schluss mit Lustig. Kurvenreiche Strecke, saubere
Serpentinen. Cruser was willst Du mehr? Keine Frage – 20° höhere
Lufttemperatur. Auf dem Col de la Croix Haute (1176m) sind es gerade
ein Mal noch + 4° Celsius. Es beginnt ein kurvenreicher Abstieg nach Serres. Das Tal der Buëch wird immer breiter. Eingangs des
Kreisverkehrs in Sisteron meine Navi-Uschi: „Nehmen Sie im
Kreisverkehr die dritte Ausfahrt”. Ich nehme Uschi beim Wort, einmal
rechts und ich bin auf der D304A nach La Motte du Caire. Noch
trennen mich 14 lange Kilometer von meinem Abenteuer. Mir geht
vieles durch den Kopf: Wird alles passen? Wie sind die Fluglehrer,
was machst du ohne Französisch Kenntnis – Wetter? – Unterkunft?
Plötzlich in einer links Kurve erblicke ich durch die Kiefernhaine
eine Piste. Tatsächlich 4 Km vor La Motte du Caire das
Segelfluggelände des hiesigen Aero Clubs Vol à Voile La Motte. Noch
600 Meter, dann rechts und den SLK schön ins Blickfeld der Webcam
geparkt, für die daheim gebliebenen. Wir haben 09:11 Uhr – hatte
Uschi ja fast recht. Ich bin 1019 Kilometer von zu Haus entfernt.
Abenteuer Du darfst beginnen! Eingepackte Segelflugzeuge sind zu
sehen, aber weit und breit bin ich allein! Wo sind meine Fluglehrer?
Kurz eine SMS an Sohn Julien. Da kommt jemand – ein Franzose. Ich
tausche ein zaghaftes „Bon jour” aus, mehr geht halt nicht. 10
Minuten später nähert sich ein weißer Sprinter mit der Aufschrift
„Flugschule Oerlinghausen” dem Platz. Nichts wie hin, das müssen Sie
sein. Der Mittlere sieht aus wie auf dem Foto der Homepage. Wir
machen uns bekannt – Perfekt – Helmut Gerbig – mein Fluglehrer für
die nächsten 5 Tage – und ganz wichtig, der erste visuelle Eindruck
passt 100%tig. Die gleiche Sympathie wie bei
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| DG1000T - D-KSOE |
Jacques Noel |
1740 Nm aus 722 PS |
unserem Telefonat vor
rund sechs Wochen. 10:00 Uhr Ortszeit, ein melodischer Dong
unterbricht die Idylle. „Zeit fürs Briefing”, meint Helmut. Ich
folge wortkarg auf die Sonnenterrasse. Von Jacques Noel, er leitet
das Briefing, werde ich als Jocken, den circa 30 anderen Piloten in
Französisch, als neuen Gast vorgestellt. Anschließend verliest Jack
das amtliche Wetter von der Wetterstation in Saint Auban. Christian,
ein Fluglehrer aus Deutschland, welcher schon seit 4 Jahren in La
Motte lebt, übersetzt uns alles ins Hochdeutsche. Die Aussichten für
den Tag sind vielversprechend. Leicht abschwächende Mistral-Lage mit
schwacher, aber nutzbarer Thermik. Es ist halb eins. Der Wind aus NW
frischt auf und erreicht im Tal die 10 Knotenmarke. Helmut bemerkt:
„Die Wettersysteme laufen hoch”! Die DG1000T an den Start der 36
schieben. Bodeneinweisung in das neue Muster, Fallschirm anlegen,
anschnallen – Vorflugcheck. Alles im grünen Bereich. Abenteuer ich
komme! „Le treuil de D-KSOE, DG1000T, equipage: Moll et Gerbig, dans
une minute”, Helmut macht den Funk für mich perfekt. „Trenil de OE,
toa le kable route” Helmut meldet, das wir am straßenseitigem Seil
hängen. Auf der 123.500 höre ich den Windenfahrer: „Début de
treuilleé a´ la Motte du Caire”. Ich sehe das gelbe Blinklicht auf
der Winde, die in 1200m Entfernung steht. „Das ist der Wahnsinn”,
die 1740 Nm aus 722 PS katapultieren uns in die Erdumlaufbahn.
Ausklinken in 400 Meter Höhe über dem Platz. Seiten- und Querruder
hart nach rechts. Die Nase dreht perfekt Richtung Blanchére. Der
Hausberg von La Motte ist 1280 Meter hoch. Eine neue Erfahrung für
mich – Fliegen ohne Horizontbild! Egal - Helmut schraubt uns in
perfekt geflogenen Achten hoch zum Gipfel. Kaum dort angekommen
fliegen wir nach SSW ab zum Jouere. Unser Höhenmesser zeigt mir in
kürzester Zeit schon unglaubliche 1900 Meter an. Ein kurzer Sprung
zum nächsten Grat. Weiter Höhe tanken. In 2100 Meter Höhe gehen wir
auf West Kurs. Über das Tal der Durance bei Sisteron verlieren wir
beim Vorfliegen mit 120 Km/h kaum an Höhe. Am Grat des
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| Windenstart der DG1000T |
Lenticularis |
In 3650 Meter MSL |
Monte Chabre
holen wir dynamisch Höhe bis zur Basis in 2200 Meter. Ich ziehe
meine Gurte noch etwas fester, keinen Augenblick zu früh, denn schon
beginnt der Tanz. Jetzt muss Helmut perfekte Arbeit abliefern. Nach
5m/s steigen, gibt es den Hammer mit 5m/s saufen. Der helle
Wahnsinn was ich gerade hier erlebe. Helmut meint ganz gelassen:
„Wir hängen uns jetzt das Rotor-System, und dann geht es richtig
nach oben”. Kaum hat es Helmut so richtig ausgesprochen haben die
Rotorturbulenzen ein Ende und himmlische Ruhe umgibt uns. Wir
gleiten in einer extrem ruhigen Luftmasse. Aber was sind das für
Töne von unserem E-Vario? Ich habe den Eindruck es will sich
überschlagen! Zentriert 5m/s steigen! Von hier oben erhasche ich
einen Blick auf den Sportflughafen Aspres sur Buech am Fuße des
Durbonas. Die Nullgrandgrenze erreichen wir in 3100 Meter. Aber
weiter geht die Post –rechtsherum. 3300 – 3500 – bei 3641 Meter über
Normal Null und -8° Celsius Außentemperatur macht sich die Kälte im
Fußraum bemerkbar. Wir brechen den Steigflug ab und fliegen zum Pic
de Bure (2710m) nach Nord-Ost vor. Wahnsinn – dieses Wolkenmeer
unter uns. Oben darüber Lenticularis, die mit dem Jargon ausdruck
auch als „Lentis” bezeichnet werden. Kurz einen Test meiner
Pulsfrequenz - 65. „Gut das Du ein Nichtraucher bist”, sagt Helmut,
„Raucher brauchen oftmals schon eine kleine Sauerstoffdusche in
diesen Höhen”. Nach dem wir uns mit gezogenen Klappen auf 2800
Meter haben „fallen” lassen, sind wir am Süd Grat des Pic de Bure
wieder in einem ausgewachsenen Rotoren angekommen. 300 Meter höher
Kurs 170 Grad vorbei am Céüse und westlich am Platz Gap Tallard zum
Malaup. Es ist unglaublich, dass Helmut in seiner 4. La Motte Saison
schon alle Berge beim Namen kennt. Aber auch ich als Flugschüler,
habe die Orientierung nicht verloren und kann Helmut präzise den
Kurs zum
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| Über den Wolken..... |
Hangflug am Blanchére |
Flugplatz La Motte du Caire |
Platz La Motte du Caire zeigen. Über der verträumten 1400
Seelen Gemeinde von La Motte kurbele ich uns in weiten Kreisen
herunter. Noch ein paar Achten am Grat des Blanchére. Das Vernichten
der überschüssigen 200 Meter bereitet mir ein wenig Schwierigkeiten.
Der Hangwind lässt mein Variometer immer wieder auf +3m/s ansteigen.
Aber wir haben ja noch die Klappen. Bei meinem Abstieg werde ich von
einem Französischen Duo Discus begleitet. Helmut meldet per Funk:
„D-OE en zona de perte d‘ altitude á 1200 Meter”. So, die Bodencrew
wäre vorgewarnt. 1100 m ü. NN - wir melden den Gegenanflug. Für
mich, sehr gewöhnungsbedürftig, gehen wir in einen, in zwei Teile
gesplitteten Queranflug, welche jeweils 45° versetzt zur Platzachse
stehen. 150 Meter Höhe und 120 Km/h am südlichen Platzende. Die DG
gerade nehmen, Klappen 100%, steil runter, Fahrt halten, abfangen
und sauber ausschweben. Meine erste Landung in La Motte – Perfekt!
Noch vor der Platzmitte komme ich zum Stillstand. Abschnallen,
Aussteigen, und als erstes ein riesen Dankeschön an Helmut meinem
Fluglehrer für dieses grandiose 3½ Stunden Abenteuer „Dynamisches
Fliegen in der Alpes de Haute Provence”. Ist so etwas in den
nächsten 4 Tagen noch zu toppen? Helmut sagt ganz gelassen: „Wir
haben Sauerstoff und auch einen Transponder in der DG1000T, mit
einer Freigabe von Marseille Info geht es auch bis FL 195 (5944
Meter).
Warten wir es ab!
Jochen
(Flugschüler)
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